Wie heißt es doch so schön im Volksmund: „Wettschulden sind Ehrenschulden!“ Jeder Deutsche kennt diesen Spruch, aber was ist wirklich dran an dieser alten Volksweisheit? Müssen wir unsere Wettschulden tatsächlich nicht bezahlen, weil es nur Ehrenschulden sind?

Nach § 762 I Satz 1 des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches begründen Spiele und Wetten keine Verbindlichkeit. Sportwetten erzeugen also keinen Erfüllungsanspruch. Wenn also mein Freund Christoph, ein verrückter Lautern-Fan, sagt: „Ich wette um 1.000 Euro, dass Lautern aufsteigt und nächstes Jahr gleich deutscher Meister wird!“ und sein Freund Fabian, ein verrückter Bayern München-Fan entgegnet: „Niemals!“ und setzt 1.000 Euro dagegen, dann schließen Christoph und Fabian einen Vertrag, nämlich einen Vertrag über ein Risiko. Dieser Vertrag ist aber nicht verbindlich. Sollte Lautern im nächsten Jahr nicht Meister werden und Christoph will die 1.000 Euro an Fabian dennoch nicht zahlen, dann kann Fabian das Geld nicht mit rechtlichen Mitteln einklagen. Andersherum kann Christoph das Geld nicht mit juristischen Mitteln von Fabian einklagen, sollte Lautern tatsächlich Meister werden. In diesem Fall sind Wettschulden also tatsächlich nur Ehrenschulden.

Hat Christoph nun seine Wettschulden an Fabian schon beglichen und stellt später fest, dass er dazu nicht verpflichtet gewesen wäre, stellt sich die Frage, ob Christoph die gezahlten 1.000 Euro von Fabian zurückverlangen kann. Grundsätzlich kann man Leistungen, die ohne Rechtsgrund erfolgten, zurückverlangen. Da für Christoph keine Verpflichtung zur Zahlung bestand, könnte man annehmen, dass Christoph sein Geld zurückverlangen kann. Gemäß § 762 I Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches soll aber das gleichwohl Geleistete nicht deshalb zurückgefordert werden können, weil keine Verbindlichkeit bestanden hat. Wetten bilden also einen hinlänglichen Grund für das Behaltendürfen bereits gezahlter Beträge. Christoph kann sein Geld also nicht von Fabian zurückverlangen, wenn er erst einmal gezahlt hat.

Aber wie sieht es aus, wenn Christoph dieselbe Wette bei einem Buchmacher abschließt? Angenommen der Buchmacher bietet Christoph für seine Wette eine 1.000er – Quote an, dann ist fraglich, ob Christoph rechtlich verpflichtet ist, dem Buchmacher den Einsatz zu zahlen oder ob der Buchmacher rechtlich verpflichtet ist, Christoph seinen Gewinn auszuzahlen. Bei staatlich lizenzierten Wettbetrieben sieht es anders aus, als bei Christophs Wette mit Fabian. Diese Schulden können mit rechtlichen Mitteln eingefordert werden. Spiele und Wetten, bei denen eine staatliche Genehmigung vorliegt, gelten als verbindlich, so dass Christoph bei seinem Buchmacher (vorausgesetzt natürlich, dieser hat die erforderliche staatliche Lizenz) z.B. seinen Wettgewinn einklagen könnte. Wettschulden sind also nicht immer nur Ehrenschulden.

Der Artikel besitzt Themenrelevanz zu Buchmacher, Fussballwetten, Gewinn, Hunderennen, Online-Wetten, Pferderennen, Pferdewetten, Sportwetten, Sportwetten Vergleich, Wettangebote, Wettbüro, Wetten, Wettgewinn.

Kategorie: Recht & Justiz